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ImageMein ganzes Leben begleitet mich schon meine Liebe zu Tieren. Gassi gehen mit Hunden kannte und liebte ich ja, aber als dann 1999 endlich mein erster eigener Hund Einzug hielt, wurde alles anders… Nach reiflicher Überlegung, Vorbereitung und Lesen von diversen Fachbüchern fiel meine Entscheidung auf den Golden Retriever. Die Rasse sollte leicht erziehbar und für Anfänger sehr gut geeignet sein.

Lyco, mein mittlerweile 11jähriger Rüde, hatte die Rassebeschreibung wohl nicht so genau gelesen. Denn was ich damals noch nicht wusste, dass Lyco trotz der Papiere nicht reinrassig ist. Innerhalb kürzester Zeit belehrte er mich eines Besseren. Übelkeit beim Autofahren, keine Lust alleine zu bleiben, mäkelig beim Fressen, Angst vor diversen Geräuschen, sensibel und doch gleichzeitig dickschädlig – kurzum ich hatte ein Problem! Obwohl ich mit Lyco von Anfang an in der Welpengruppe war, konnte mir dort keiner so recht weiterhelfen.

Ich lief von Hundeplatz zu Hundeplatz, doch überzeugen konnte mich keine der angebotenen Ausbildungsmethoden . Der Standard dort  war (und ist meistens leider immer noch) die Arbeit mit Leinenruck und Meidemotivation. Hauptsächlich über Kettenwürger oder Stachelhalsbänder. Den einzigen Versuch – der genau drei Minuten dauerte - Lyco mit Leinenruck zu erziehen, quittierte er mir mit drei Wochen absoluter Gehorsamsverweigerung. Mein Fazit lautete: Zwar wollte ich einen Hund der gehorcht, aber nicht um jeden Preis. Ein Hund der neben mir her schleicht und Angst vor mir hat, war mir als Preis eindeutig zu hoch. Mein Ziel war ein Hund der gerne mit mir arbeitet und Spaß dabei hat.

Im Alter von 9 Monaten wurde Lyco das Opfer einer Beißattacke eines polizeilich ausgebildeten Schäferhundes, der als Wachhund in Privathand lebte. Für den Schutzdienst war er zu scharf und unkontrollierbar. Dieser Schäferhund biss 5-Mark-Stück große Löcher in Lycos Bauch, obwohl Lyco mehrfach beschwichtigt und schließlich in absoluter Unterwerfung reglos auf dem Rücken lag.

Nach diesem Vorfall war Lyco nicht mehr derselbe. Sobald er einen anderen, größeren Hund auf uns zukommen sah, ging er vor lauter Angst vor in die Leine und bellte und knurrte wie wild. Lyco hatte gelernt – Angriff ist die beste Verteidigung, denn beschwichtigen oder gar unterwerfen war nutzlos.
Mit seinen damals schon 36 kg konnte ich ihn absolut nicht bändigen, so dass ich bald mit jedem Laternenpfosten „per Du“ war und vor Angst, einem anderen Hund zu begegnen, nur noch zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten spazieren ging.

Ich war felsenfest überzeugt, dass Lyco ein aggressiver Hund war und beschloss, dass es so nicht weitergehen konnte! Also meldete ich mich mit Lyco zum Rüdentraining in einer Hundeschule an, die zwar 100 km entfernt war, die aber vorgab mit sanften Methoden auszubilden. 10 Trainingsstunden und einige hundert Euro ärmer, hatte Lyco zwar den Hundeführerschein erfolgreich bestanden, aber an anderen Rüden ging er immer noch nicht problemlos vorüber. Im Gegenteil: Das durchgeführte Wasserspritzentraining (Wasserstrahl auf Lycos Ohr, sobald ein anderer Hund in Sicht kam und Lyco loslegen wollte) erschrak Lyco so sehr, dass es zwar einmal funktionierte, er aber nach kürzester Zeit nur noch schneller als bisher in der Leine hing. So schnell, dass ich keine Chance hatte, die Wasserspritze überhaupt zu ziehen...

Erst als ich auf dem Seminar von Turid Rugaas die Beschwichtigungssignale kennenlernte, verstand ich die Ursachen von Lycos Verhalten. Clarissa von Reinhardt, Hundetrainerin und Gründerin von Animal Learn, übte mit Lyco und mir in diesem Sinne die Rüdenbegegnungen.

Durch die großartigen Erfolge mit Lyco bestätigt, begann ich ein halbes Jahr später bei Animal Learn die Ausbildung zur professionellen Hundetrainerin. Das dort gelehrte, gewaltfreie Trainingskonzept gefiel mir sehr gut. Insbesondere auch deshalb, weil dabei immer im Vordergrund stand, eine vertrauensvolle Bindung zwischen dem Mensch und seinem Hund zu schaffen.

Obwohl Lyco auch danach noch mehrmals gebissen wurde und einen schweren Autounfall überstanden hat, ist er trotz dieser Schicksalsschläge immer noch ein toller Hund. Wir haben unsere Höhen und Tiefen zusammen gemeistert und ich könnte mir keinen besseren Hund vorstellen. Manchmal kommen noch seine alten Probleme durch, aber wir haben gemeinsam gelernt damit klarzukommen. Durch ihn lernte  ich sehr viel über Hunde. Er war mein Antrieb überhaupt eine Ausbildung zur Hundetrainerin zu beginnen. Danke Lyco – für Deine Ausdauer und Dickschädligkeit mit der Du mich auf meinen Weg gebracht hast!


 

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